Bei den Kopten beginnen die 40 Tage mit Montag 27. Februar

40 Tage – Fastenzeit

Koptisches KreuzFasten, das ursprünglich bedeutet “an die Gebote der Enthaltsamkeit festhalten, kommt von gotisch fastan „festhalten beobachten, bewachen“.

Fasten kommt in allen Religionen vor, und es wird in vielfältiger Form wie auch in festgelegten Ritualen praktiziert. Hippokrates von Kos sagt: „sei mäßig in allem, atme reine Luft, treibe täglich Körperübung und heile ein kleines Weh ehr durch Fasten als durch Arznei.“ Heute in der Neuzeit finden wir einen Menge Fasten Formen, von Diät zum therapeutischen Fasten, bis zum Hungerstreik. Selbst in politischen Leben hat das Fasten eine Stimme, z.B Mahatma Gandhi. Es lässt sich auch der Trend des religiösen Fasten heute wieder neu entdecken. Allgemein dient das Fasten mittels Verzicht oder reduzierter Nahrungsaufnahme mehreren Zwecken:

Im AT kennen wir auch das Fasten als Zeichen der Trauer, David fastet für seinen Sohn. 2 Sam, 12,16 „David suchte Gott wegen des Knaben auf und fastete streng; und wenn er heimkam, legte er sich bei Nacht auf die bloße Erde. Die Ältesten seines Hauses kamen zu ihm, um ihn dazu zu bewegen, von der Erde aufzustehen. Er aber wollte nicht und aß auch nicht mit ihnen. Am siebten Tag aber starb das Kind. Davids Diener fürchteten sich, ihm mitzuteilen, daß das Kind tot war; denn sie sagten: Wir haben ihm zugeredet, als das Kind noch am Leben war; er aber hat nicht auf uns gehört. Wie können wir ihm jetzt sagen: Das Kind ist tot? Er würde ein Unheil anrichten. David jedoch sah, daß seine Diener miteinander flüsterten, und merkte daran, daß das Kind tot war. Er fragte seine Diener: Ist das Kind tot? Sie antworteten: Ja, es ist tot. Da erhob sich David von der Erde, wusch sich, salbte sich, wechselte seine Kleider, ging zum Haus des Herrn und warf sich (davor) nieder. Als er dann nach Hause zurückkehrte, verlangte er (zu essen). Man setzte ihm etwas vor, und er aß. Da fragten ihn seine Diener: Was soll das bedeuten, was du getan hast? Als das Kind noch am Leben war, hast du seinetwegen gefastet und geweint. Nachdem aber das Kind tot ist, stehst du auf und ißt. Er antwortete: Als das Kind noch am Leben war, habe ich gefastet und geweint; denn ich dachte: Wer weiß, vielleicht ist der Herr mir gnädig, und das Kind bleibt am Leben. Jetzt aber, da es tot ist, warum soll ich da noch fasten? Kann ich es zurückholen? Ich werde einmal zu ihm gehen, aber es kommt nicht zu mir zurück.“

Die 40 Tage Fastenzeit in der christlichen Tradition erinnert an die 40 Tage die Jesus betend und fastend in der Wüste verbrachte. Jesus sagt auch in Mt 6,16-18 „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass Du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“

Heute beginnt in der koptischen Liturgie die Fastenzeit von 40 vollen Tagen und die Karwoche als besondere Zeit der Vorbereitung für das Auferstehungsfest.

Montag bis Freitag von Mitternacht bis nach dem Gottesdienst der von 2 bis 3 Uhr nachmittag  stattfindet wird weder gegessen noch getrunken. Erst nach dem Gottesdienst wird nach dem Fasten eine Art Gericht ohne Fleisch und ohne Tierprodukte, wie Eier, und Milchprodukte zu sich genommen. In der koptisch katholischen Liturgie wird Samstag und Sonntag nicht gefastet wie in den anderen Tagen sondern nur die Abstinenz von Fleisch und Tierprodukten eingehalten.

Im Buch Isaha;58,3.. ist beschrieben wie sich Gott das Fasten vorstellt „Warum fasten wir, und du siehst es nicht? Warum tun wir Buße, und du merkst es nicht? Seht, an euren Fasttagen macht ihr Geschäfte und treibt alle eure Arbeiter zur Arbeit an. Obwohl ihr fastet, gibt es Streit und Zank, und ihr schlagt zu mit roher Gewalt. So wie ihr jetzt fastet, verschafft ihr eurer Stimme droben kein Gehör. Ist das ein Fasten, wie ich es liebe, ein Tag, an dem man sich der Buße unterzieht: wenn man den Kopf hängen läßt, so wie eine Binse sich neigt, wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt? Nennst du das ein Fasten und einen Tag, der dem Herrn gefällt? Nein, das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen. Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach. Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich. Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest, dem Hungrigen dein Brot reichst und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf, und deine Finsternis wird hell wie der Mittag. Der Herr wird dich immer führen, auch im dürren Land macht er dich satt und stärkt deine Glieder. Du gleichst einem bewässerten Garten, einer Quelle, deren Wasser niemals versiegt.“

Für mich persönlich ist die Fastenzeit immer jene Zeit in der durch das Einhalten von Ritualen, das Fasten zum spirituellen Höhepunkt wird, da Reue, Umkehr und Gutes tun, der Boden des eigentlichen Fasten ist und nicht die Abstinenz.

Euch allen eine gesegnete Fastenzeit.

Sr. Juliana NDS